Café Jörg - Wernges

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Café Jörg

Brauchtum, Sagen, Platt ... > Sagen und Geschichten









Café Jörg
Zentraler Treffpunkt der Kinder und Jugendlichen war das das kleine Häuschen von Jörg und Amich.
Hierzu schrieb Lehrer Schnell im Mai 1938 einen Bericht für den Lauterbacher Anzeiger.

25 Jahre Schuldiener in Wernges
Am 6. Mai d. J., einen Tag vor seinem 45. Geburtstag, feiert der Schuldiener – Herr Georg Euler – sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Nehmen wir seine Frau – die „Heiches Amich“ – gleich hinzu, denn sie hat in den langen Jahren in der Hauptsache den Besen und den Putzlumpen in der Schule geschwungen. …

… zahlreich waren die Kinder, die im Laufe der Zeit im Abstand von zwei Jahren gleich Orgelpfeifen nebeneinander auf die Beine zu stehen kamen: fünf Buben und sechs Mädchen; …
Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu. Beim Jörg und der Amich kam es auf ein paar Kinder mehr - eigene oder fremde - im Hause nicht an. Raum ist in der kleinsten Hütte für glückliche Menschen, und das sind die Kinder und die, welche ein Herz für sie haben. Bei Heiches konnte und kann heute noch jedes Schulkind sein Stück "Mostebrot" bekommen, wenn unterwegs der Hunger ausbricht. Hier wärmt man im Winter erfrorene Hände gratis und trocknet nasse Firwes und Strümpfe kostenlos. Auch andere kleine Sorgen lassen sich hier abladen, manche Träne muß getrocknet werden. ...

Für die Halbwüchsigen ist abends das „Kaffee Jörg“ – in dem, nebenbei gesagt, nicht immer u. bisweilen nicht nur Kaffee getrunken wird – ein Anziehungspunkt besonderer Art. Dort hat man seine Freiheit bei Unterhaltung und Spiel.

Amich in Blädsche und Jörg in Firwes (ohne rechtem Daumen)

Und wenn der alte Jörg seine Romane verschlingt – einen leidenschaftlicheren Leser sah man noch nicht im Dorf -, dann ist er in einer anderen Welt, und er weiß nicht, was um ihn vorgeht. Dann kann die Dorfjugend daneben ihr Vergnügen haben. Scherze werden hier immer richtig aufgefaßt, Dummheiten nicht krumm genommen. Jedoch über die Stränge hauen darf niemand.
Mag der eine oder der andere dieser jungen Stammgäste in seinem späteren Leben das Dasein von einer glänzenderen Seite sehen, an die gemütlichen Stunden im kleinen Häuschen am alten Friedhof bei Schul-Eulers wird er sich zeitlebens gern erinnern.
Ist das nicht ein schönes Denkmal, das sich unsere Jubilare gesetzt haben?

                                                                                                                                           Schnell


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü