Die Entw. der Landwirtschaft - Wernges

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Die Entw. der Landwirtschaft

Dorfleben ( bis 1960 ) > Arbeiten in Haus und Hof

DIE ENTWICKLUNG DER LANDWIRTSCHAFT
Aus Wernges in sieben Jahrhunderten (geringfügig gekürzt u. geändert)
Seit alten Zeiten war die Landwirtschaft der wichtigste Erwerbszweig in Wernges. Es gab zwar früh im Mittelalter bereits Schmiede und Eisenschmelzen, woran noch heute der Name Eisenkautenwiese erinnert, und bis 1912 wurde am Weg nach Schwarz Köhlerei und Teergewinnung betrieben. Es gab Krämer und Schäfer, und bis zum Anfang dieses Jahrhunderts bildete die Leinweberei eine Haupteinnahmequelle. All diese Tätigkeiten stehen jedoch in engem Zusammenhang mit der Landwirtschaft, zumindest wurde sie zur Selbstversorgung betrieben.
Im Mittelalter wurde die Feldbestellung bereits organisiert, man baute nach dem System der Dreifelderwirtschaft an. Dazu war die Flur in drei Teile geteilt. Ein Teil trug in einem Jahr Korn, Weizen, Gerste und Buchweizen und im zweiten Jahr Hafer. Im dritten Jahr lag der Boden brach, um sich zu erholen.

Köhler am Steinberg

Innerhalb der drei Felder lagen um das Dorf herum nicht eingezäunte Gärten, auf die die Namen Krautgarten und Berggarten noch hinweisen. Darin wurden Rüben, Kraut und Flachs angebaut.
Besondere Auswirkungen auf die Landwirtschaft hatte der 'Flurzwang'. Da möglichst alles Land ausgenutzt werden sollte, konnte man die Felder nicht über Wege erreichen, sodass festgelegt werden musste, in welchem Teil der Gemarkung in einem bestimmten Jahr alle Bauern dieselbe Frucht anzubauen hatten. Wer seinen Acker am weitesten hatte, war dazu bestimmt, als Erster auszusäen und als Letzter zu ernten, damit kein Bauer das Feld eines anderen zu überqueren brauchte. Deshalb war es auch günstig, Äcker an verschiedenen Stellen zu haben.
Diese Wegelosigkeit hatte große Nachteile. Es konnte vorkommen, dass die Felder in nassen Jahren nicht mit dem Wagen erreicht werden konnten, und dann zum Beispiel alle Runkeln über weite Strecken mit dem Handkarren zum bereitstehenden Wagen gefahren werden mussten.
Im 18. Jahrhundert wurde die Landwirtschaft intensiviert. Das Feld wurde im dritten Jahr nicht mehr brach liegen gelassen, sondern mit 'Wintersamen, Lein, weißen Rüben und Kartoffeln, auch bisweilen Erbsen' bestellt.
In der Ernährung war man von Getreidebrei und Brot mehr zur Kartoffel übergegangen.
Man war nun - gerade auf den leichten Sandböden der Werngeser Gemarkung - gezwungen, besser zu düngen. Die geschah durch Schafpferche, die im Feld aufgeschlagen wurden und mit Laub und Heide, die man aus dem Wald holte und mit dem Mist des Viehs, den man auf die Felder brachte.
Laubrechen und Heidhacken schadeten hingegen dem Wald, und so kam es zu Streitigkeiten mit den Riedeseln als Waldbesitzer. 1722 wurde das Heidhacken verboten, es konnte nur noch gegen Bezahlung geschehen, es wurde aber dennoch bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben.
Eine weitere Art der Düngung war das Wässern der Wiesen im Frühjahr. Hierzu wurden die kleinen Bäche gestaut und umgeleitet, damit sich das Wasser über die Wiesen ergoss. Ein ehemaliger Bewässerungsgraben ist noch rechts der Straße nach Udenhausen unterhalb der 'Renn' zu erkennen.
Schweine, Rinder und Schafe wurden auch in den Wald zur Fütterung getrieben. (In früheren Zeiten gab es im Wald nach Willofs das sogenannte Saustallshäuschen, in das die Schweine über Nacht gebracht werden konnten. Der Willofser Weg wird von älteren Werngesern noch heute Saurasen genannt. )

Im Herbst nach der Ernte ging man mit dem Vieh auch auf die abgeernteten Felder. Die in Wernges ehemals hoch entwickelte Schafzucht verlor im Laufe des Jahrhunderts ihre Bedeutung, da aus den englischen Kolonien preisgünstigere Wolle nach Europa kam. Nur noch Flurnamen erinnern uns an sie: die Schafwäsche und die Schäfergärten.
Ähnlich erging es auch der Leinweberei. Noch 1789 heißt es, dass die Werngeser das meiste Geld mit gesponnenem Leinen verdienen, das sie nach Lauterbach an die Großhändler verkaufen. Es fand sich auch in jedem Haus ein Webstuhl, und noch bis 1905 wurde für den Eigenbedarf gewebt.

                      um 1930 Schäfer am Märer Biel
Der allmähliche Rückgang dieses Gewerbes in Oberhessen ist zurückzuführen auf die beginnende Industrieweberei. Sie konnte wesentlich wirtschaftlicher arbeiten, es kam dadurch aber in den alten Webergebieten wie Oberhessen oder Oberschlesien zu arger Not, da sich für die Handweber keine anderen Erwerbsmöglichkeiten boten.
Obst wurde - wie auch heute noch - nur für den Eigenbedarf gezogen. Man erntete jedoch fleißiger, da es kein Obst zu kaufen gab. Um Pflaumen für den Winter haltbar zu machen, wurden sie in den 'Dörren', die in einzelnen Gärten im Dorf standen, über Feuer getrocknet.
Während also ein Teil der Höfe nur zur Selbstversorgung produzierte, konnten einige Bauern bereits mit Gewinn arbeiten.

Webstuhl

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der künstliche Mineraldünger eingeführt. Die Abhängigkeit von Geld wurde stärker, denn Dünger und erste Maschinen mussten gekauft werden. Als neue Geldquelle tat sich der Milchverkauf auf, als 1886 von Fulda aus in Lauterbach die Molkereigenossenschaft gegründet wurde. Auch der Viehhandel scheint an Bedeutung gewonnen zu haben, denn 1888 wurde die öffentliche Viehwaage eingerichtet. Die Gemarkung erhielt ihr heutiges Aussehen in der Flurbereinigung 1906/07. Damit war die Dreifelderwirtschaft beendet, und die Flächen mussten neu verteilt werden. Das ging ohne größere Streitigkeiten ab.

rechts: Mäddches haben den neuen Kunstdünger ausprobiert.

Die technische Entwicklung ging immer weiter. Die bereits um 1906 gegründete Dreschgesellschaft wurde im November 1935 in die Dreschgenossenschaft Maar-Wernges umgewandelt.
Aber erst nach dem Krieg und unmittelbar nach der Währungsreform, als Mäddches den ersten Traktor im Dorf anschafften, begann die eigentliche Mechanisierung der Landwirtschaft.
Nun fielen das Beschlagen der Pferde, das Anlernen von Rindern im Frühjahr und der oft qualvolle Umgang mit dem Zugvieh, von dem die meisten Werngeser noch erzählen können, weg.

        Die Dampfmaschine wird nach Mäddches gezogen.
Immer größer wurde der Maschinenpark der einzelnen Höfe. Die genossenschaftlich angeschafften Maschinen verloren ihre Bedeutung, da sich jeder eigene erwarb.
Auch die inzwischen immer weiterentwickelte Dreschmaschine wurde ersetzt durch den Mähdrescher, sodass zum Jahresende 1969 die Dreschgenossenschaft aufgelöst wurde.
Der ganze Konzentrationsprozess hatte zur Folge, dass in Wernges heute nur noch wenige hauptberuflich in der Landwirtschaft tätig sind und die meisten der Dorfbewohner außerhalb der Landwirtschaft und des Dorfes arbeiten.

Einer der ersten Mähdrescher


 
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