Kirmes - Wernges

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Kirmes

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Wo wurde diese Aufnahme gemacht?

Arno hat es herausgefunden. 

s. unten


Kirmes
(Die Fotos sind aus den Fünfzigern.)
Nach der Ernte (Oktober/November) wurde von den unverheirateten Männern die Kirmes gehalten. Wann dieser Jahrhunderte alte Brauch begann, lässt sich nicht mehr feststellen. Die letzte Kirmes wurde 1996 von der Werngeser Kirmesvereinigung veranstaltet. Da hatte sich auch hier die Emanzipation durchgesetzt. Jungen und Mädchen organisierten die Kirmes gemeinsam.
In den fünfziger Jahren fand die Kirmes bei Pedesch statt. Getränke und Speisen gab es in der Wirtschaft und getanzt wurde auf Pedesch Saal. Dicht an den Wänden standen Bänke. Dort saßen in den Tanzpausen überwiegend Mädchen und Frauen. Die Männer hielten sich meistens in der Nähe der Theke auf. Während die Kapelle spielte, konnte man als Kind nicht den Saal durchqueren, ohne Gefahr zu laufen „umgetanzt" zu werden.
Für uns Kinder waren der Kiosk mit Süßigkeiten und die Schießbude auf Pedesch Hof natürlich am interessantesten. Einmal gab es sogar ein kleines Karussell.
Neben der Freude an Tanz und Geselligkeit bot die Kirmes auch Gelegenheit zur Eheanbahnung. Wer im eigenen Dorf keinen Partner fand, konnte mehr oder weniger gezielt auf einer Kirmes im Nachbarort nach einer guten Partie suchen.  

Besonders Männer sind ja manchmal etwas zögerlich bei der Partnersuche. In solchen Fällen übernahmen es auch Eltern oder Verwandte, zwei nach ihrer Ansicht für einander Geschaffene zu "verkuppeln". Vor der Verlobung konnten die beiden sich dann bei einer Kirmes etwas näher kennenlernen und den Eindruck erwecken, sie hätten ganz von alleine zueinander gefunden.

Auch in Wernges wurden früher die Mädchen zur Kirmes versteigern. An der Höhe des bezahlten Betrags konnte die Auserwählte vielleicht sogar erkennen, wie ernst es dem Verehrer war.
Im Unterschied zu anderen Dörfern gab es in Wernges keinen Perch. In den Perch kamen dort Mädchen, die von niemandem ersteigert wurden.
Vor langer Zeit wurden drei hübsche Werngeserinnen von den Udenhäuser Kirmesejonge gebeten, bei der Versteigerung in Udenhausen mitzumachen. Das haben die natürlich auch getan. Man hilft ja gern aus, wenn es anderen an etwas mangelt.

1953 war ein besonderes Jahr, da bekam Wernges endlich eine Wasserleitung. Und das wurde mit einer großen Wasserkirmes gebührend gefeiert.
Zusätzlich zu Wirtschaft und Tanzsaal war in Käßches Garten (heute Spielplatz) noch ein großes Zelt aufgestellt worden.
Am Sonntagvormittag zogen die Kirmesejonge mit ihren Mädchen und der Kapelle Vollmöller von Haus zu Haus und spielten auf.
Erwartet wurde, dass die Hausbewohner sich mit einer kleinen Spende an der Finanzierung der Kirmes beteiligten.

Es bestand immer das Risiko, dass die Einnahmen nicht kostendeckend waren. Anfang der Sechziger wollten Jugendliche gern die Kirmes halten. Dazu brauchten sie aber jemanden im geschäftsfähigen Alter und beschwatzten mich „nur die Verantwortung" zu übernehmen.

Die Jungen machten ihre Sache sehr gut. Die Kirmes war finanziell erfolgreich. Wir trafen uns anschließend fast jeden Abend beim Kröll und setzten unseren Gewinn in Hähnchen, Hawaiitoast und Getränke um.
Als das Geld längst aufgebraucht war, tauchte ein Herr von der GEMA in Wernges auf. Die Existenz der GEMA und ihr Anspruch auf einen Teil unserer bereits nicht mehr vorhandenen Einnahmen waren uns völlig unbekannt.
Der Gebühreneintreiber suchte vergebens nach einem Verantwortlichen, bei dem er die fälligen Gebühren einziehen konnte. Ich war in den Ferien zu Verwandten gefahren und die nicht geschäftsfähigen Jungen waren nicht belangbar und verschwiegen meine Existenz. Der Herr von der GEMA gab auf.



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