Episoden - Wernges

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Geschichte > 2. Weltkrieg

Schwärzer Schnaps

In Schwarz hatte die Wehrmacht große Mengen Flugsprit zurückgelassen. Das war blau gefärbter und vergällter Alkohol (Spiritus). Das Zeug gelangte auch nach Wernges und wurde hier zu "Schwärzer Schnaps" verarbeitet und in Pedesch getrunken. Geschmeckt hat der bestimmt nicht, aber es war Alkohol.
Bei einem Trinkgelage sagte ein Zecher, dem es von dem blauen Zeug schlecht geworden war, zu seinem rothaarigen Kumpan aus Schwarz: „Geh‘ mer usem Wäch, sonst spitz (spucke) ech de die Haarn blo!“ (Geh‘ mir aus dem Weg, sonst färbe ich dir beim Übergeben die Haare blau!)

Konversation mit den Amis
Braune Lies zu Schmeedches Kon: „De Amis, de schwatze ja ned be mir. Do kon ech doch a: Leck mech om Oarsch gesä!” “Ech däd’s lasse!”, antwortete Kon.
(Elisabeth zu Konrad: "Die Amerikaner reden ja nicht wie wir. Da könnte ich doch auch: Leck mich am ... sagen." "Ich würde das lassen!", riet ihr Konrad.)

In der Rasehütt
Getanzt wurde in Wernges während des Krieges nicht. Es fehlte an Gelegenheiten und Männern. Nach dem Krieg mussten die meisten Jugendlichen das Tanzen erst lernen. Dazu traf man sich in der Rasehütt. Das war eine Hütte für die Forstarbeiter im Wald nach Lauterbach. Zum Heizen gab es dort sogar einen Ofen.
Deerings Kall spielte auf der Quetsch (Ziehharmonika) und Fritze Erika brachte den Jungen die ersten Schritte bei. Das blieb den Amerikanern nicht verborgen. Es gab ja noch das  Ausgeh- und Versammlungsverbot. Wie Elsbeth erzählt, konnten sich die Amerikaner bei einer Kontrolle wohl davon überzeugen, dass von diesen Jugendlichen keine Gefahr ausging. Die wollten tanzen und nicht kämpfen. Was auch viel sinnvoller war. Man ließ sie gewähren.

Die Wiegesau
Im und auch in den Jahren nach dem Krieg durfte bei Hausschlachtungen nur ein bestimmter Anteil des Fleisches für die Eigennutzung behalten werden. Zur Kontrolle musste das Schwein vor dem Schlachten vom Wiegemeister (Klingelhans) im Wiegehäuschen gewogen werden. Umgangen wurde dies, indem man schwarz schlachtete oder mit dem Wiegesäuchen trickste. Zum Wiegen lieh man sich ein mageres Schwein aus und schlachtete dann die eigene fette Sau. Stezes hatten solch ein Wiegesäuchen. Es wurde in einem Winter fast täglich ausgeliehen. Öffnete man ihm morgens die Stalltür, so rannte es zielsicher durch Diggeds Längche zum Wiegehäuschen.

Der Wiegemeister durchschaute das natürlich, aber da er es sich nicht mit dem gesamten Dorf verderben wollte, musste er schweigen und mitmachen.

Stolze Ohrfeigen
Nicht alle Waffen wurden an die Amerikaner ausgeliefert. Zimmerhein hatte wohl auch ein Jagdgewehr zurückbehalten. Jedenfalls soll er von einem Werngeser „verpfiffen“ worden sein, als er ein Reh geschossen hatte. Welche Folgen es für den Jäger hatte, ist mir nicht bekannt. Dem Denunzianten soll Zimmerhein "ein paar stolze Ohrfeigen" verabreicht haben.

Schnaps und Tabak

Schnaps wurde aus Zuckerrüben und Kartoffeln gebrannt. Das war natürlich verboten. Aber die Destillationsanlage ging trotzdem in Wernges reihum. Man musste sie allerdings richtig bedienen. Bei Braunes im Keller explodierte der Kessel.

Ami-Zigaretten waren nicht nur bei den Rauchern sehr begehrt. Sie waren auch ein ideales Tauschmittel, denn für die Reichsmark bekam man nicht viel.
In den Gärten wurde großflächig Tabak für den Eigenverbrauch angebaut, was verboten war. Die getrockneten Blätter mussten dann noch behandelt (fermentiert) werden. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater zur Geschmacksverbesserung aus Rosinen gewonnenen Saft benutzte.
Diggeds Hans kam irgendwie zu mehreren Bündeln Tabak aus Grebenau. Zum Fermentieren tränkte er die Blätter in Wasser. Ochses hatten einen Knecht, der holte sich den Sud. Angeblich wollte er damit ein Kälbchen von Läusen befreien.

Tatsächlich trank er die Tabaksbrühe und bekam furchtbaren Durchfall. Seine Notdurft durfte er nicht im Stall verrichten. So verbrachte er an diesem Tag viel Zeit auf dem Misthaufen im Freien.
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