Platt - Wernges

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Platt

Brauchtum, Sagen, Platt ...

Der Werngeser Dialekt

Es wird noch Platt gesprochen in Wernges. Aber das allmähliche Ende ist absehbar. Wenn überhaupt, dann sind es Opa und Oma, die das Platt beherrschen und sprechen. Ihre Kinder gebrauchen es vielleicht noch im Gespräch mit ihnen und die Enkel verstehen  zwar, was gesprochen wird, reden aber Hochdeutsch mit Akzent. Schade, denn im Unterschied zum künstlich geschaffenen Hochdeutsch ist der Dialekt ausdrucksstärker und vielseitiger. Keinesfalls ist er ein schlecht oder falsch gesprochenes Hochdeutsch.
Viele treffende Bezeichnungen gibt es nur in der Dialektform. Nach solchen Wörtern habe ich gesucht.  Dadebei ho ech em Vollmöller sim Boch gelunzt.
Sein Kleines Lauterbacher Wörterbuch* hat mir die Suche erleichtert. Manches habe ich mit seiner freundlichen Erlaubnis auch nur gekürzt oder auf Wernges angepasst übernommen.  
Ohne Kennzeichnung der Laute (lang, kurz, stimmhaft, …) unterscheiden sich  Lauterbacher und Werngeser Dialektwörter oft nicht. In der Aussprache sind die Unterschiede dann doch recht deutlich.

Beim Lesen der folgenden Beispiele kann man gleichzeitig den Originalton Werngeser Platt von Marianne gesprochen anhören.

Aasd, Gewidderaasd: Do besd mer a Gewidderaasd!
Du bist mir Eine!
je nach Zusammenhang oder Betonung Schimpfwort oder Anerkennung
Ech moss offn Abe.
Ich muss auf die Toilette. LINK: Abe
als:  Es had  als en als geschneid.

Es hat andauernd geschneit.  
Badsch: Se maechd  im de Badsch.
Sie führt ihm den Haushalt.  
Brudsch: Mach so kei Brudsch!
Mache so keinen Schmollmund. (Sei nicht so beleidigt!)
Dabbe: Mach mer kei Dabbe in Ern!
Mach keine Fußstapfen in den Flur.
ei dachdeln: Soll ech de ei dachdeln?
Soll ich dir eine Ohrfeige verpassen!
Dannewudz: Se ho mech als med  Dannewudze geschmesse!

Sie haben mich ständig mit Tannenzapfen beworfen.
Debbe: Do sollsd ned als en als en de Debbe gugge!
Schau nicht andauernd in die Kochtöpfe.
Daedz: Ech ho me de Daedz ogeronn.
Ich habe mich am Kopf gestoßen.
dense: Mer mosde de Wäh dense.
Wir mussten den Wagen ziehen.  
Deed: Das had mer mi Deed geschaengd.
Das hat mir meine Patentante geschenkt.
Donnerwädschdech: Donnerwädschdech! Doas sin himmelse Oschläg.
Donnerwetter! Das sind gewaltige Wünsche.  
Donzel: Do domm Donzel, bass doch off!
Du dumme Gans, pass besser auf! (Donzel nur weibl.)
Dormel: De Dormel had’s ned begreffe.
Der Dummkopf hat es nicht begriffen. (Dormel nur männl.)
dormelich: Mer es ganz dormelich.
Mir ist es schwindelig.  
dummeln: Dummel dech!

Beeile dich!
ebbes: Ech ho ebbes fir dech.
Ich habe etwas für dich.
Eller: Hied ge mer zo de Eller.
Heute gehen wir zur Großmutter.
Ellervadder: De Ellervadder kemmd mon.
Der Großvater kommt morgen.
engerschdeewerschd: Mach mer ned alles engerschdeewerschd.
Mache mir keine Unordnung!
ondichnächd: Ondichnächd had‘s geränd.
Vorgestern hat es geregnet.
Feng: Wad nur – di Feng grechsde noch!
Warte nur – deine Schläge bekommst du noch!
gälle: Do kemmsd doch, gälle?
Du kommst doch? Davon kann ich doch ausgehen?
Gern: Komm of min Gern!
Komm auf meinen Schoß!
Gelärr: Das Gelärr kannsde eweg geschmisse.
Das wertlose Zeug kannst du entsorgen.  
Gedehns: Mach so kei Gedehns!
Stell dich nicht so an.
giggeln: Heier me uf ze giggeln!
Höre auf zu provozieren!
Giggel u. Hingel: Do mosd noch de Giggel schlaochde!

Du musst noch den Hahn schlachten.
Kerchowed: Warsch de  scho om Kerchowed?
Warst du schon auf dem Friedhof? (zum Gießen)
Kipp: Ech ho kei Schnobdoch en de Kipp.
Ich habe kein Taschentuch in der Hosentasche.
knoddern: He es nur om Knoddern.
Er nörgelt andauernd.
Kolder: Mech fried‘s. Gab me de Kolder!
Mich friert es. Gib mir die Wolldecke!
Krafane: Mach so kei Krafane!
Stell dich nicht so an!
laebsch: De Sobb es ze laebsch.

Die Suppe ist zu lasch.
Liebche: Des Liebche grazd ze arch.
Das Leibchen kratzt zu sehr.  )* s. unten
Madde: De Madde es all.
Der Quark ist alle.
lunze: Ech ho e bessche gelunzd.
Ich habe heimlich zugeschaut.
Märch: De Märch es ze scharf.
Der Meerrettich ist zu scharf.
sech mohn: Barem hasde dech ned gemohnd?
Warum hast du dich nicht bemerkbar gemacht?
monsemoje: Glich monsemoje ged’s los.
Gleich morgen früh geht es los.
Olwel: Ban da Olwel doch es Mull haln däd!
Wenn der Blödian doch schweigen würde! (Olwel nur männl.)
Pedder: Di Uhr ho ech vo mim Pedder.
Die Uhr habe ich von meinem Patenonkel.
Pedsch: Dab ned in de Pedsch.
Tritt nicht in die Pfütze!
Plädsche: In Plädsche  gesde ned fir de Dier.

In Hausschuhen gehst du nicht vor die Tür!
Quädsch: De Quädsche sin noch ned riff.
Die Pflaumen sind noch nicht reif.
radzekal: De ho alles radzekal eweggebodzs.
Sie haben alles vollständig aufgegessen.
semeliern:  He semelierd on semelierd.
Er überlegt und überlegt.
seiche: De Kadz had mer en de Kech geseichd.
Die Katze hat (mir) in die Küche gepinkelt.
schpille ge: Ech well a mo e bessche schpille ge.
schpille ge: jemanden zum Schwätzchen besuchen
Schpingingelskrem: Heier me off med däne Schpingingelskrem!
Hör mit diesen Spinnereien auf!
schpizze: Schpizz mer ned in de Sobb!
Spucke mir nicht in die Suppe!
schdoumbe: Barem hasde mech de als geschdoumbd?
Warum hast du mich ständig angestoßen?
Schdronze ge: Hied gesde mer ned Schdronze!
Heute läufst du nicht untätig in der Gegend herum!
suggeln: Das Freggel  well ned suggeln.

Das Ferkel will nicht saugen.
Schoude: Son Schoude bruch mer ned.
Den albernen Mann können wir nicht gebrauchen. (Schoude nur männl.)
schäb: De Uhr hängd schäb.
Die Uhr ist schief aufgehängt.
Scheb: Nam de Scheb on fang o!
Nimm die Schaufel und fang an!
scherche: Mer mosde de Wäh scherche.
Wir mussten den Wagen (angestrengt) schieben.
Schlawiddche: Ech pagg dech glich om Schlawiddche!
Ich pack dich gleich am Kragen!
ei schmiern: Da ho ech im ei geschmierd.
Daraufhin verpasste ich ihm eine Ohrfeige.
schnabbe: Beim Danze ho ech mer de glich geschnabbd.
Ich habe sie mir sofort zum Tanzen geholt.
Schnibber: De Schnibber esd mer ganischd.
Der anspruchsvolle Feinschmecker  isst gar nichts.
Droz: Mon wed Droz gefahn.
Morgen wird die Jauche gefahren.
veschmisse: Se ho en arch veschmisse.

Sie haben ihn arg verprügelt.
verserweln: Ech hos verserweld.
Ich habe es verlegt.
Wäck: De Wäck sin all all.
Die Brötchen sind alle.
Wadz: De Dagg moss zom Wadz.
Die Zuchtsau muss zum Eber.
wälchern: Se ho sech em Dräg gewälcherd.
Sie wälzten sich im Dreck.
wädze: Mer mosde wädze,  bes mer se igehold harre.
Wir mussten schnell rennen, bis wir sie eingeholt hatten.
Wennchis: Ech si in Wennchis geburn.
Ich bin in Wernges geboren.
Woas: Allewill kemd mi Woas.
Jetzt kommt meine Tante.
zesseln: Do mer ned alles vezesseln.
Bring mir das nicht in Unordnung!
Zures: Ech wolld kän Zures.
Ich wollte keinen Ärger!


Eine Schülerin der Werngeser Volksschule hatte das berechtigte Gefühl, dass der zu Hause übliche Ausdruck für urinieren im Gespräch mit dem Lehrer unpassend war. In einer Notsituation versuchte sie es mit Hochdeutsch: „Herr Lehrer, ich muss mal säuchen."

Helmut Vollmöllers Wörterbuch nehme ich immer wieder gern aus dem Regal und freue mich besonders über die treffenden, humorvollen Beispielsätze.
Wie anschaulich Vollmöller erklärt, möchte ich an einem Beispiel (rechts) zeigen und damit allen sein Buch empfehlen.
Ich bedanke mich bei ihm für seine freundliche Erlaubnis, sein Werk als Vorlage benutzen zu dürfen. Dank auch an Marianne und Erich, die mich beraten haben, denn das Werngeser Platt beherrsche ich leider nur unvollkommen.


*Kleines Lauterbacher Wörterbuch
2. Auflage – der heimatkundlichen Reihe des Fotoclubs Lauterbach e. V.

Nachtrag
Die folgende Auswahl ist größtensteils aus einer Sammlung von Deerings Udo und Steze Bernd. Ausgewählt habe ich hauptsächlich, Wörter, die es im Hochdeutschen nicht gibt.
Das Werngeser Platt hat sich im Laufe der Zeit geändert. So wurden z. B. durch Einheirat aus Nachbarorten bestimmte Aussprachen übernommen. Es entstehen von Familie zu Familie kleinere Abweichungen - wahrscheinlich auch innerhalb einer Hausgemeinschaft.
Beispiel: ondichnächd (Schomeiesch) - ehndichnächd (Stezes)  

aedzden: neulich;  Ärn: Flur; ärwel: Arm voll;  bäh de?: wer denn?;  bann?: wann;  bee?: wie?;  bisbeln: flüstern;  Blädschrää: starker Regenguss;  boß?: was? Wie bitte? ;  bräche: pflücken;  Debbe: Topf;  Deed: Patin;  dense: ziehen;  Dräbbedrehd: Treppenstufe;  Drotz: Gülle;  dummeln: beeilen;  enabber ge: runter gehen;  ehndichnächd: vorgestern;  ehndichnächze Awwed: vorgestern Abend;  enoffer geh: hinauf gehen;  es engeschd: das untere;  es eweschd: das oberste;  engeschdeeweschd: durcheinander;  Friddich: Freitag;  gab‘s em: gib es ihm;  Gehansbär: Johannisbeere;  Gelärr: Trödel;  geronn: gestoßen;  geschmesse: geschlagen, geprügelt;  Gull: Pferd;  he: er;  Hessche: Eisbein;  Kehre: Ketten;  Keind: Kind;  Keng: Kinder;  Koasch: Zweizinker zur Kartoffelernte;  Kobwedde: Kopfweh;  Dizze: Euter, Brust;  Kohnel: Dachrinne;  Konn: Roggen;  Längche: Fußpfad im Dorf;  Medagssobb: Mittagessen;  mier: wir;  Mondich: Montag;  monze Awed: morgen Abend;  nächd: gestern;  Nessches: Feldsalat;  nie doo: rein tun;  Noachdsobb: Abendessen;  noff: ninauf;  offzesseln: Fadengewirr ordnen;  Pedsch: Pfütze;  Poarr: Pfarrer;  Poarschen: Frau des Pfarrers;  Quädsch: Ziehharmonika; Quädsche: Zwetschge/Pflaume;  Rei: Hang;  Scheslong: Sofa;  Schier: Scheuer, Scheune;  Schbingingelskreem: Spinnereien; Schnobdooch: Taschentuch;  Schosee: Straße;  Seichdebche: Nachttopf;  sellemo: damals;  Sonnawwed: Samstag;  Soundich: Sonntag;  Spitzche: kleiner Schnaps;  Stremmel: schmaler Streifen;  Truur: Beerdigung;  wätze: schnell laufen;  Wissdier: Frau;  Woas: weibl. Verwandte, Tante;  Zehl: Zettel /Ziegel;  zesseln: schütteln  

Ein Beispiel für die Prägnanz des Platts
Entschuldigen Sie bitte! Ich habe ihre Frage nicht verstanden. Würden Sie sie bitte wiederholen.
im Werngeser Platt:  
Hä?

 
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