Nachts im Feld - Wernges

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Nachts im Feld

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Aufhocker
War man ins Nachbardorf eingeladen oder half man dort Verwandten bei der Arbeit, dann konnte es spät werden und man musste in der Dunkelheit zu Fuß nach Hause gehen. Oft passierte es dann, dass sich von hinten ein unheimlicher Aufhocker näherte.

Man konnte ihn schon frühzeitig im Genick spüren. Und dann sprang er auf die Schultern. Mit jedem Schritt wurde er schwerer. Nur noch mühsam und langsam ging es voran. Erst im Dorf sprang er wieder ab.
Nur einen Vorteil hatte das furchtbare Erlebnis: Man hatte eine gute Erklärung, warum man so spät nach Hause kam oder den Kuchen unterwegs verlor.
Ein Vorfall ist schriftlich überliefert:

Mutter Döring hatte in der Steinmühle bei der Dreschmaschine geholfen, beim anschließenden Glas Bier noch mitgemacht, dann bekam sie Kuchen für die Kinder mit und machte sich in der Dunkelheit auf den Heimweg. Da sprang ihr doch am „Alten Weg“ (heute Neu-Maar) einer auf den Rücken und ließ sich bis nach Alt-Maar tragen. Bei der Kirche sprang er ab. Ihren Kuchen hatte Mutter Döring unterwegs verloren. „Schade!“, sagten daheim die Kinder.*
*Tochter Marg. Döring – So Leut sein mir in Vogelsberg und Schlitzerland von Georg Michel

Grenzfrevler
Bis ins späte Mittelalter wurde das Versetzen von Grenzsteinen mit grausamen Todesstrafen bedroht -  (z. B.: lebendig mit dem Kopf nach unten an der Stelle des versetzten Grenzsteines in ein Erdloch eingraben).
Über den Tod hinaus mussten Grenzfrevler, die sich der irdischen Gerechtigkeit entzogen hatten, damit rechnen, als ruhelose Geister herumzuirren.
Zwischen Maar und Reuters (Es war dann wohl kein Werngeser.) lief nachts viele Jahrzehnte ein armer Sünder durch die Felder. Er hatte zu Lebzeiten einen Grenzstein versetzt und fand jetzt keine Ruhe im Grab. Er trug den schweren Stein mit sich und flehte verzweifelt: "Wo soll ich ihn hintun? Wo soll ich ihn hintun?"      
Erlöst waren diese Grenzfrevler nur, wenn ein mutiger Mensch ihnen antwortete: "Tu ihn hin, wo du ihn weggenommen hast!"
Eine furchtlose Botenfrau aus Maar soll das gemacht haben. Jedenfalls wurde unser Grenzfrevler schon lange nicht mehr gesehen.

Grenzfrevler mit Steinlast    Lackschnitt von Hans Vogtmann

mit freundlicher Genehmigung: Hannelotte Hartel, geb. Vogtmann


 
 
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