Christianisierung/Kirche - Wernges

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Christianisierung/Kirche

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Christianisierung
Mönche aus Schottland errichteten im 8. Jahrhundert in Schotten eine Kirche und missionierten von dort aus in unserer Gegend. Da sie die Beibehaltung bisheriger religiöser ("heidnischer") Bräuche  großzügig duldeten, waren sie mit ihrer Missionsarbeit recht erfolgreich. Mit den fränkischen Herrschern auf seiner Seite setzte Bonifatius später die papstorientierte Glaubensrichtung durch. Ihm war allerdings bewusst, dass viele Chatten weiterhin im Geheimen ihren alten Glauben beibehielten. 
Um die  Ohnmacht der germanischen Götter zu beweisen, ließ im Jahre 723 unter dem Schutz fränkischer Soldaten die Donareiche, eines der wichtigsten germanischen Heiligtümer, fällen. 

1527 wechselten die  Riedesel vom katholischen zum evangelischen Glauben. Mit dem Religionswechsel der Herrschenden  wurden die Werngeser „automatisch“ auch evangelisch. Wobei man allerdings davon ausgehen kann, dass auch bei ihnen die Reformen Luthers auf fruchtbaren Boden fielen. Einigen Werngesern ging diese Erneuerungen noch nicht weit genug. Sie schlossen sich den Wiedertäufern an. Diese Bewegung wurde in Deutschland von der Obrigkeit hart verfolgt und davon waren auch einige Werngeser betroffen.   
Im Oktober 1677 weihte man mit einer Hochzeit die erste Werngeser Kirche ein. Zuvor war man nach Lauterbach zum Gottesdienst gegangen. Die kleine Fachwerkkirche wurde 1796 durch unsere heutige Kirche ersetzt.

Noch heute besitzen die Riedesel das Patronatsrecht und können z. B. bei der Besetzung einer Pfarrstelle mitbestimmen.  




Die wahrscheinlich älteste Aufnahme der Werngeser Kirche

unten: um 1890 - Man kann noch die Reste der ehemaligen Deckenbemalung erkennen. Angeblich war sie so schön, dass einige Kirchgänger ständig nach oben sahen. Ein Pfarrer soll deswegen veranlasst haben, die Decke zu überstreichen.


"Dieses Gebäude, ein kleiner Saalbau mit dreiseitigem Schluss, gehört zu den letzten noch spätbarocken Kirchen, die für den östlichen Vogelsberg typisch sind und zumeist von der Gießener Landbaumeisterfamilie Müller entworfen wurden.
Die vielen ähnlichen Gotteshäuser haben letztlich die 1740 erbaute Kirche zu Grebenau zum Vorbild. Die für den Werngeser Kirchenneubau Verantwortlichen sind vielleicht nach Heidelbach gereist, haben sich die dortige, 1786, fertiggestellte Kirche angesehen und beschlossen, dass sie es auch so machen wollten. In Maar hingegen wurde nur 20 Jahre nach Wernges beim Neubau der Kirche bereits der neue klassizistische Stil angewandt.
Die Ausstattung der Werngeser Kirche ist sehr stark von der in Angersbach beeinflusst. Den aufwendigsten Teil stellt die Kanzel dar. Sie stammt mit einiger Sicherheit aus dem Vorgängerbau, ebenso wie ein Holzkruzifix, das sich heute im Hohhaus-Museum in Lauterbach befindet. Auch die Bemalung der
Emporenbrüstungen ist beachtenswert. Ein unbekannter Maler hat fünfundzwanzig Szenen aus dem Neuen Testament, von der Verkündigung bis Pfingsten, dargestellt.")*

Im Jahre 1858 erhielt die Kirche ihre Orgel.
Der "Thurm, welcher von Holz und mit dem Dache verbunden ist, eine welsche Haube mit Schiefern gedeckt und 48 Fuß Höhe hat", besticht durch seine späte und dadurch reife Gestaltung. Er enthielt seit 1832 zwei Glocken, von denen eine 1917 ‚als Kriegsgerät umgearbeitet’, 1919 ersetzt, aber im Zweiten Weltkrieg wieder eingeschmolzen wurde. Seit 1949 haben wir wieder zwei Glocken.
Das Äußere des Baus zeigt über dem Haupteingang das in Sandstein gehauene riedeselische Wappen und über dem ehemaligen Seiteneingang eine Tafel mit zwei Engeln, die eine Krone halten, zwischen den Engeln die Inschrift "Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst und komme, dass du hörest." Pred. 4.V.17.1796".
Seit dem Jubiläumsjahr 1983 heißt das Gotteshaus nach dem Reformator ‚Martin-Luther-Kirche’.
)*Text aus "WERNGES in sieben Jahrhunderten"

Noch ein Tipp für alle, die sich unsere Glocken aus der Nähe ansehen möchten. Vorher auf die Uhr sehen! Dass man nur auf allen Vieren durch winklige Engpässe  die letzten Meter zu den Glocken kommen kann, das wusste ich. Dann stand ich eingeengt direkt vor den Glocken. Ich machte ein paar Aufnahmen und plötzlich begann es 11 zu schlagen. Ich wusste, danach fängt das Läuten an.  Ich dachte an den Glöckner von Notre Dame, der vom Glockenläuten taub wurde. Ohren zuhalten oder fliehen? Ich entschloss mich für die Flucht. Mit Fotoausrüstung und dicker Winterjacke zwängte ich mich durch bis zum Dachboden. Dann begann es auch sofort zu läuten. Hier war aber die Lautstärke erträglich.
Blick aus dem Fenster.
Dieses Bild hat Elisabeth während einer Erkrankung gemalt.                          

 
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